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Erwin Hildebrandt (Projektleitung)

Tel. 07641- 460194

Was bleibt?

Das Projektteam: Martin Fechtig, Nicole Limberger und Projektleiter Erwin Hildebrandt (von li.) Foto: Regio Trends

Die Projektlaufzeit unseres Projektes AGIRE „Alt werden und gesund bleiben im Rettungsdienst“ ist zu Ende und wir möchten gerne drei arbeitsintensive Jahre Revue passieren lassen.
Unsere Zielsetzung war das Erarbeiten von Konzepten und Instrumenten der Verhaltens- und Verhältnisprävention zur Vorbeugung und besseren Verarbeitung von psychischen und physischen Belastungen im Rettungsdienst und die Sensibilisierung der Führungskräfte und Mitarbeitenden in Gesundheitsfragen. Oder kurz gesagt: Wege zu finden, um alt zu werden und gesund zu bleiben im Rettungsdienst.
Die Ergebnisse der umfangreichen Mitarbeiterbefragung mit der AOK Südlicher Oberrhein zu Beginn des Projektes bildete u.a. die Grundlage für die Themenauswahl und Durchführung unserer Maßnahmen.

Implementierung von Gesundheitsbeauftragten
Als zentraler Baustein für die Nachhaltigkeit wurden während der Projektlaufzeit Gesundheitsbeauftragte ausgebildet.
4 Führungskräftefortbildungen mit Themen zu „gesunder Führung“
Führungskräfte sind ein entscheidender Faktor für die Motivation und für das Wohlbefinden und letztendlich für die Gesundheit unserer Mitarbeiter/innen.
6 Gesundheitstage für alle Mitarbeitenden
Anhand der Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung konzipierten wir insgesamt 6 Gesundheitstage mit folgenden Themenkomplexen:
• Skelett und Muskelerkrankungen
• Kommunikation
• Stressbewältigung
• Entspannungstechniken
• Ernährung
• Sport und Bewegung
Studie über die Beanspruchung von Rettungsassistent/innen
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychologie der Universität Freiburg wurde eine wissenschaftliche Studie zur Förderung der beruflichen Weiterentwicklung sowie der Schutzfaktoren gegen physische und psychische Fehlbeanspruchungen durchgeführt.

Negative Begleiterscheinungen
Da ein solches Projekt nicht im luftleeren Raum oder in einer Scheinwelt stattfindet, mussten auch wir uns betriebswirtschaftlichen Realitäten und veränderten Rahmenbedingungen stellen.
Ein starker Rückgang von Krankentransporten hatte eine Reduzierung der Vorhaltestunden zur Folge. Einige befristete Verträge konnten nicht verlängert werden und zwei Verträge mussten leider in der Probezeit beendet werden. Die Folge waren Unsicherheit, Ängste und Befürchtungen in der Belegschaft. Diese Stimmung wurde natürlich in das Projekt hineingetragen und begleitete uns während der Projektlaufzeit.

Welche Erkenntnisse haben wir nun aus 3 Jahren Projektarbeit gewonnen?
• Es gibt eine hohe Bereitschaft unserer Mitarbeiter/innen zur Veränderung von Verhaltensweisen und ein hohes Bewusstsein für das Thema Gesundheit.
• Eine zunehmende Bedeutung kommt den psychischen Belastungen zu! Haben wir uns früher mehr auf die körperlichen Beschwerden wie Rückenerkrankungen konzentriert, werden wir uns zukünftig vermehrt mit psychischen Belastungsfaktoren beschäftigen müssen.
• Mitarbeiter/innen und Führungskräfte müssen für das Thema sensibilisiert und beteiligt werden.
• Notwendige Voraussetzungen für ein erfolgreiches und nachhaltiges Betriebliches Gesundheitsmanagement sind eine wertschätzende und offene Kommunikation, klare Strukturen, Vereinbarungen und Verantwortlichkeiten. Wir werden nicht umhin kommen finanzielle und personelle Ressourcen bereit zu stellen.

Und jetzt? Was bleibt?
Was sind konkrete Ergebnisse des Projektes AGIRE – alt werden und gesund bleiben im Rettungsdienst - ?
• Erarbeitung einer Betriebsvereinbarung BGM
Mit dem Ziel, ein systematisches, strukturiertes betriebliches Gesundheitsmanagement einzuführen.
• Erarbeitung einer Betriebsvereinbarung 9/10 Arbeitszeitregelung
Die Mitarbeitenden haben hier die Möglichkeit, sich von ihrem 100% Deputat 90% in Geld und 10% in Zeit vergüten zu lassen. Um den gewünschten Regenerationseffekt zu erzielen muss die angesparte Zeit in einem Zeitraum von 6 Monaten abgegolten werden.
• Angebot einer betrieblichen Sozialberatung
Alle Mitarbeiter/innen haben die Möglichkeit sich an die Beratungsstelle des Badischen Landesverbandes für Rehabilitation und Prävention zu wenden, völlig gleich ob die Probleme privater oder beruflicher Natur sind. Die Anonymität wird gewahrt und die Kosten trägt der Kreisverband.
 Gesundheitsbeauftragte
Sie sind Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen und müssen in den entsprechenden Fachgremien und Zirkeln vertreten sein. Eine Funktionsbeschreibung wurde erarbeitet, klare Regelungen und Verantwortlichkeiten für eine nachhaltige Arbeit der Gesundheitsbeauftragten müssen geschaffen werden.
• Betriebliches Eingliederungsmanagement
Die Betriebsvereinbarung „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ wurde umgesetzt und hat zum Ziel, die Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit der Beschäftigten zu unterstützen und zu fördern.
 Sensibilisierung und Fortführung gesundheitsfördernder Maßnahmen und technischer Hilfsmittel
Insbesondere die weitere Bezuschussung der Rückenschule sowie die Beschaffung technischer Hilfsmittel wie Auffahrrampen und Rollboards.
• Publikation der Projektergebnisse und Erfahrungen
Die Ergebnisse und Erfahrungen – auch die der wissenschaftlichen Studie – wurden auf unserer Abschlusstagung präsentiert und selbstverständlich der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Fazit
Betriebliches Gesundheitsmanagement und betriebliche Gesundheitsförderung ist ein langer, mitunter oft auch steiniger Weg.
Wir sind mit diesem Projekt nur die ersten Schritte auf diesem Weg gegangen und wünschen uns für die Zukunft eine kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Vorschläge und Anstöße, klare Strukturen und Verantwortlichkeiten sowie entsprechende Ressourcen für ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement im Sinne aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Es wird sich lohnen!