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DRK-Kreisverband Emmendingen e.V.
Projekt AGIRE

Freiburgerstr. 12
79312 Emmendingen

Tel. Projektleitung 
Erwin Hildebrandt:
07641-4601 94

Mail: agire[at]drk-emmendingen[dot]de

 

Fachvorträge und Gespräche auf der Abschlusstagung AGIRE

Die Teilnehmer der Abschlusstagung konnten im Kultur- und Bürgerhaus in Denzlingen interessante Fachvorträge verfolgen

Projektleiter Erwin Hildebrandt im Gespräch mit Moderator Andreas Formella vom DRK Landesverband

Landrat Hanno Hurth, Kreisgeschäftsführer Jochen Hilpert, Projektmitarbeiter Martin Fechtig und Rettungsdienstleiter Norman Osterholt (von rechts)

Herr Grieger (Leiter Human Resources) ermöglichte einen Einblick in das Gesundheitsmanagement der SICK AG

Die Mittagspause lies Zeit für angeregte Gespräche unter den Teilnehmern

Der ARD Laufexperte Herbert Steffny als Gastredner bei der Abschlusstagung

Etwa 70 Teilnehmer/innen folgten am 14.05.2014 der Einladung des DRK Kreisverbands Emmendingen zur Fachtagung ins Denzlinger Kultur und Bürgerhaus.
Nach der Begrüßung durch den Landrat Hanno Hurth und Bürgermeister Markus Hollemann führte Andreas Formella vom DRK Landesverband Badisches Rotes Kreuz durch das abwechslungsreiche Programm.
Der Vorsitzende der DRK Landestarifgemeinschaft referierte über die Möglichkeiten des DRK Tarifvertages auf gesundheitliche Aspekte Einfluss zu nehmen.
Unser Kooperationspartner SICK AG Waldkirch ermöglichte durch den Leiter Human Resources Andreas Grieger einen interessanten Einblick in das dortige betriebliche Gesundheitsmanagement und erläuterte Möglichkeiten und Schwierigkeiten.
Die Projektergebnisse, Erfahrungen und Probleme wurden von Projektleiter Erwin Hildebrandt vorgestellt. Neben Zahlen und Daten zum Projekt wurde vor allem auf die schwierige Situation im Gesundheitswesen sowie auf notwendige Strukturen für eine nachhaltige Weiterentwicklung eingegangen.
Die Mittagspause ermöglichte einen intensiven Gesprächsaustausch bevor Herbert Steffny, bekannter Laufexperte der ARD, auf die sportliche Gesundheit einging. Dabei wurde deutlich, dass jeder mit relativ wenig Aufwand durch Laufen positiv auf seine Gesundheit einwirken kann. Zum Abschluss wurden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie zur Beanspruchung von Rettungsassistent/innen vorgestellt. Studienleiter Hans-Eckart Klose vom psychologischen Institut der Uniklinik Freiburg ging auf die bisherigen Ergebnisse ein und verdeutlichte die Zusammenhänge der psychischen und physischen Gesundheit der Mitarbeiter/innen mit den Bereichen Kommunikation und Führungsqualität.
Die Fachtagung bot einen angemessenen Rahmen zur Vorstellung der 3-jährigen Projektarbeit sowie für umfangreiche Informationen zur Umsetzung eines betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Im Anschluss an die Tagung entstand folgendes Interview von BZ Mitarbeiter Markus Zimmermann mit dem Projektleiter Erwin Hildebrandt: 

Unter hoher Anspannung"
BZ-INTERVIEW mit Erwin Hildebrandt über steigende Anforderungen an DRK-Mitarbeiter.
  

DENZLINGEN. Mit einer ganztägigen Abschlusstagung im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus fand das dreijährige Projekt "AGIRE" des DRK-Kreisverbandes ein vorläufiges Ende. Dabei ging es um die Thematik, wie Mitarbeiter im Rettungsdienst gesund bleiben und alt werden können. Mit Projektleiter Erwin Hildebrandt sprach BZ-Mitarbeiter Markus Zimmermann.

BZ: Alt werden im Rettungsdienst – wie viele Mitarbeiter in diesem Aufgabenbereich erreichen im Beruf das reguläre Renteneintrittsalter?

Hildebrandt: Soweit mir bekannt ist, war dies im DRK-Kreisverband Emmendingen nur in einem Fall so. Üblicherweise scheiden die Rettungsassistenten früher aus und gehen beispielsweise in Altersteilzeit. Mit 67 Jahren noch aktiver Rettungsassistent, das ist in Anbetracht der Belastungen dieses Berufs eine Utopie.

BZ: Was hat den Kreisverband bewogen, mit diesem Projekt auf die berufliche Situation zu reagieren?

Hildebrandt: Da ist zum einen, dass wir Verantwortung für unsere Mitarbeiter haben und die zunehmende Belastung für sie deutlich wurde. Sicher aber auch das Wissen darum, dass 2011, als wir starteten, bereits knapp ein Drittel der Rettungsassistenten bei uns 50 Jahre und älter waren. Die innerbetriebliche demografische Entwicklung sorgte zusätzlich für die Erkenntnis, der Belastung entgegen steuern zu müssen.

BZ: Welches sind die Belastungen der Mitarbeiter im Rettungsdienst?

Hildebrandt: Da kommt ein ganzes Päckchen zusammen. Interessant ist, das hat auch die begleitende Forschung durch Psychologen der Universität Freiburg ergeben, dass die Tätigkeit an sich nicht als der belastende Faktor empfunden wird. Die Mitarbeiter haben sich bewusst für eine Tätigkeit in diesem Umfeld entschieden. Das zeigt auch die Mitarbeiterbefragung, bei der die meisten angegeben haben, gerne und sehr gerne diese Arbeit zu machen. Psychisch belastend ist eher, dass unsere Mitarbeiter, wie auch die Polizei, einer zunehmende Aggressivität ausgesetzt sind, sie oftmals am Einsatzort nicht mehr in Ruhe ihre Aufgabe wahrnehmen können. Es kam auch schon vor, dass an unser Einsatzfahrzeug an Fasnacht uriniert wurde, während unser Einsatzteam gerade den Unfallpatienten versorgte.

BZ: Wo drückt dann der Schuh?

Hildebrandt: Grundsätzlich ist die Tätigkeit im Rettungsdienst mit Schicht-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit verbunden. Wenn die Rettungsassistenten gerufen werden, wissen sie zumeist nicht, was sie am Einsatzort erwartet. Sie müssen die Situation schnell erfassen und richtig handeln, was oft mit hoher Anspannung verbunden sein kann. Dazu kommt eine Arbeitsverdichtung. Die ist in den vergangenen fünf Jahren um 14 Prozent gestiegen, bei gleichen Vorhaltestunden. Dazu fallen längere Anfahrtszeiten an, weil Patienten jetzt in spezifische Zentren gefahren werden. Hinzu kommt, dass die körperliche Belastung groß ist. So geht schweres Tragen – die Patienten werden zunehmend schwerer – und arbeiten in ungünstigen Lagen regelrecht auf die Knochen.

BZ: Was also tun?

Hildebrandt: Wir haben unseren Mitarbeitern im Projektzeitraum verschiedene Gesundheitstage angeboten. Es ging dabei um einen guten Umgang mit dem gestressten Körper bis hin zur guten Ernährung. Diese ist bei vielen auch eher der Situation angepasst, dass sie gar nicht wissen, ob sie nicht sofort gerufen werden. Sprich, der schnelle Happen zwischendurch. Sehr wichtig war uns aber auch die psychische Gesundheit. Dabei spielten Kommunikationstechniken, Konfliktbewältigung und Teamarbeit eine wichtige Rolle.

BZ: Ging es nur um die Mitarbeiter?

Hildebrandt: Nein. Auch die Führungskräfte wurden geschult, denn eine offene Kommunikation und die Wertschätzung der Mitarbeiter motiviert. Entscheidend sind auch immer klare Strukturen, Vereinbarungen und Verantwortlichkeiten.

BZ: Was bleibt nach drei Jahren?

Hildebrandt: Es ist wichtig, dass die Thematik nicht einschläft. Konkret aus dem Projekt entwickelt wurden Vereinbarungen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement und zur Arbeitszeitregelung, die eine verbesserte Regeneration der Mitarbeiter ermöglicht. Außerdem haben wir Gesundheitsbeauftragte implementiert. Sie stehen, wie auch die psychosoziale Beratung, den Mitarbeitern immer als Gesprächspartner zur Verfügung. Die Sensibilisierung für und Fortführung von gesundheitsfördernden Maßnahmen bleibt aktuell.

Autor: mzd

26. Mai 2014 07:48 Uhr. Alter: 7 Jahre