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DRK-Kreisverband Emmendingen e.V.
Projekt AGIRE

Freiburgerstr. 12
79312 Emmendingen

Tel. Projektleitung 
Erwin Hildebrandt:
07641-4601 94

Mail: agire[at]drk-emmendingen[dot]de

 

Presseartikel Projekt AGIRE

Rettungsassistent Gerd Brand (links) im Notfalleinsatz: Der 61jährige ist auch noch nach über 40 Jahren Wechselschichtarbeit im Rettungsdienst voll dabei. Sein körperlicher Ausgleich: Radfahren, Garten- und Waldarbeit.

„Das Sportliche Gehirn“ war eines der Themen von Ex-Handballnationaltrainer Armin Emrich.

Die Projektgruppe um Nicole Limberger (Bildmitte), Norman Osterholt (re.) und Erwin Hildebrandt (2.v.l.) mit ihrem Gast Armin Emrich.

Vorbeugen ist besser als Heilen
Personalentwicklungsprojekt des DRK-Kreisverbandes Emmendingen zum Thema Alt werden und gesund bleiben im Rettungsdienst

Emmendingen (mkt). Ein Handballer zum Fachvortrag beim Rettungsdienst – wie passt das zusammen? Bestens, wie Armin Emrich, langjähriger Bundesliga-, deutscher und schweizerischer Handballnationaltrainer und nun Fachbereichsleiter Sport beim Oberschulamt Freiburg und seine rund 50 Zuhörer/innen feststellten. Denn Armin Emrich sprach nicht über Krankheiten, Verletzungen und Notfalltherapien, sondern über Motivation und Trainingslehre. Emrich war eingeladen zum Impulsvortrag für ein neues Projekt des DRK-Kreisverbandes Emmendingen zur Personalentwicklung: „AGIRE – Alt werden und gesund bleiben im Rettungsdienst“.
Etwa ein Drittel aller Rettungsassistenten beim DRK-Kreisverband Emmendingen sind 50 Jahre und älter. Weshalb man sich schon seit einigen Jahren Gedanken macht über das Thema „Älter werden im Rettungsdienst“. Schließlich gilt auch hier die goldene Regel: Vorbeugen ist besser als heilen! Soll heißen: Die Gesundheit vor allem auch der älteren Mitarbeiter soll so lange wie möglich erhalten bleiben – allen durch Wechselschichtarbeit bedingten Widrigkeiten, psychischen und physischen Belastungen zum Trotz. Einen erfolgreichen Weg dahin verspricht sich das DRK durch die Teilnahme an dem europaweit ausgeschriebenen Gesundheitsprojekt „Rückenwind“ des Europäischen Sozialfonds. Mitte 2010 bewarb sich der DRK-Kreisverband Emmendingen mit dem Projekt „AGIRE“ um die Teilnahme.  Anfang 2011 kam die Zusage, zum 1. Juli ging’s los. Ein Novum in der deutschen Rettungsdienstlandschaft, denn die Emmendinger sind gemeinsam mit dem DRK-Kreisverband Tübingen und dem Landesverband Westfalen die einzige Rettungsdienstorganisation, deren Konzept überzeugen konnte. Dazu konnten mit dem DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz, der Unfallkasse des Bundes, dem Arbeitsmedizinischen Dienst der Universität Freiburg, der AOK Südlicher Oberrhein und der Firma Sick AG Waldkirch weitere fach- und sachkundige Kooperationspartner gewonnen werden.
„AGIRE hat das Ziel Konzepte zu entwickeln um den psychischen und physischen Belastungen im Rettungsdienst vorzubeugen“ erläutert Rettungsassistent Erwin Hildebrandt, Sprecher der beim DRK-Kreisverband Emmendingen gegründeten Projektgruppe, zu der auch die Rettungsassistenten Nicole Limberger, Norman Osterholt, Denis Deiser und Martin Fechtig gehören. Dies kann zum Beispiel durch entsprechende Dienstzeitgestaltung oder technische Änderungen bei der Ausstattung der Rettungsdienstfahrzeuge geschehen. „AGIRE“ wendet sich aber auch direkt an die Mitarbeiter: Denn ein weiteres wichtiges Ziel ist es, deren Interesse und die Verantwortung an der eigenen Gesundheit zu fördern. Ergänzend kommt die betriebliche Gesundheitsförderung hinzu, deren Schwerpunkte u.a. in der Berücksichtigung der Arbeitsbedingungen und individuellen Gesundheitsverhalten liegt.  
In einem ersten Arbeitsschritt wurden die Mitarbeiter in einer anonymisierten und von einem der Kooperationspartner ausgewerteten Umfrage nach ihren Befindlichkeiten, Sorgen und Nöten befragt. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde bereits eine erste Schulung für Führungskräfte mit den Schwerpunkten „Gesunde Führung“ und „Burn Out, Vorbeugen, Erkennen, wie reagieren?“ durchgeführt. Parallel dazu lief eine Ausschreibung für so genannte Gesundheitsbeauftragte. Sie sollen das Gesundheitsprojekt  nach Ablauf der Projektförderung langfristig weiterführen. 
Ganz wichtig für das Gelingen von „AGIRE“ ist die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern, die in einem Projektbeirat unmittelbar beteiligt sind. So profitiert das DRK zum Beispiel von den langjährigen Erfahrungen der Firma Sick im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Fest integriert in das jährliche Aus- und Fortbildungsprogramm sind künftig so genannte „Gesundheitstage“, an denen alle Rettungsdienstmitarbeiter teilnehmen können. Themenschwerpunkte in diesem Jahr sind Skelett- und Muskelerkrankungen, Kommunikation, Konfliktbewältigung und Teamarbeit.
„Der Mensch ist nicht für das Schlaraffenland geschaffen, sondern für die Anstrengung“, betonte Armin Emrich in seinem Vortrag. Bewegung sei ein elementar wichtiges Element der Gesundheitsprophylaxe. „Bewegung ist zwingend zur Förderung der Leistung, aber auch zum Abbau von Stress erforderlich“, verdeutlichte er. Eine gute Leistung bedinge eine gute körperliche Verfassung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung. Selbstverständlichkeiten? Nicht im Rettungsdienst! Wer in einer 15stündigen Nachtschicht schon zum vierten Mal nach Mitternacht raus muss, der kann sich ausreichenden Schlaf nur wünschen. Und eine ausgewogene Ernährung in gerade mal zehn Minuten zwischen zwei Einsätzen zu bewerkstelligen ist eine Kunst für sich. Da heißt das Motto fast schon zwangsläufig: Hauptsache schnell satt – egal mit was! Für Armin Emrich nichts Unbekanntes, schließlich sind zwei seiner vier Söhne im Rettungsdienst aktiv. Umso eindringlicher plädierte er für ein ausgleichendes Freizeitverhalten: „Bewegung ist wichtig. Aber machen Sie nichts unter dreißig Minuten!“ so sein Credo. Am liebsten in der Gruppe – etwa bei Ballsportarten. Wichtig ist aber auch eine gute Sozialstruktur: „Haben Sie heute schon gelacht an ihrem Arbeitsplatz?“, so Emrich. Nicht nur körperliche Fitness verändert die persönliche Befindlichkeit positiv, auch die soziale Interaktion: „Eine gute Arbeitsatmosphäre in der Abteilung ist das A und O“ so sein Plädoyer.

Infobox:
„ AGIRE“ – Alt werden und gesund bleiben im Rettungsdienst - ist ein auf drei Jahre angelegtes, von der EU, der Bundesregierung und weiteren Institutionen gefördertes und von namhaften Partnern begleitetes Personalentwicklungsprojekt des DRK-Kreisverbandes Emmendingen zur Gesundheitsprävention. Dabei werden in fünf Maßnahmebereichen Handlungskonzepte entwickelt, die auch auf andere Arbeitsfelder und Organisationen übertragbar sind. Das Projekt richtet sich im Wesentlichen auf die gesundheitsfördernde Gestaltung von Arbeitstrukturen und  –prozessen, die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und die gesundheitsspezifische Kompetenz der Mitarbeiter. Nähere Infos zu „AGIRE“ gibt’s im Internet unter www.agire.drk-emmendingen.de

25. April 2012 15:55 Uhr. Alter: 8 Jahre